Eishüllen als Fotomotiv
Gefrierender Regen
Gefrierender Regen ist ein besonderes Ereignis im Winter, gefürchtet wegen der Gefährdungen des Menschen durch Stürze und des Verkehrs durch Glätteunfälle. Der Naturfotograf, der sich von solchen Widrigkeiten nicht beeindrucken lässt, kann in der Natur ungewöhnliche Fotomotive erhalten, Motive, die es in einer freundlicheren Jahreszeit nicht gibt. Ein Trost besonders für den Makrofotografen, der zwar in den Monaten der Vegetation und der Entwicklung des pflanzlichen und tierischen Lebens Motive im Überfluss findet, im Winter aber findiger sein muss und darum dankbar für außergewöhnlich reizvolle Anlässe ist. Auch wenn solche Anlässe kaum angenehme Arbeitsbedingungen mit sich bringen. Abgesehen von den Gefahren durch Glätte ist es die Kälte, die ein wenig Überwindung erfordern kann, hinauszugehen und die Ergiebigkeit der Lage zu testen - vor allem bei schneidend kaltem Wind, der zudem das Fotografieren durch die Bewegungen des Motivs erschwert. Aber nicht allein die Suche mit den Augen kann Belohnungen bringen. Auch die anderen Sinne werden gereizt. Kälte ist natürlich zu spüren, aber die Ohren fühlen nicht nur kalten Wind, sondern vernehmen auch etwas, was manchmal eine reizvolle Begleitung dieser Naturerscheinung ist: Bewegt vom Wind, klirren die Eishüllen in den Zweigen der Bäume, und es entstehen Geräusche wie bei einem Glasperlenspiel.

Reiz des Motivs - das Besondere
Nach einem Regen bei Frost oder bei kurzfristig folgenden Minusgraden können sich Eishüllen um alles Pflanzliche in der Natur bilden und einige Zeit bestehen bleiben, wenn die Temperaturentwicklung dies ermöglicht.
Wer über einen Garten verfügt, nimmt solche Eisumhüllungen nicht nur an den Zweigen von Bäumen und Sträuchern wahr, sondern auch an den trockenen Teilen der Pflanzen, die als Hilfe für die Insekten den Winter über stehen geblieben sind, statt sie im Herbst abzuschneiden - was ökologisch sinnvoll ist. Der Makrofotograf wird nun auch im Winter dafür belohnt, weil er ein reicheres Spektrum an Formen findet, die mit glasartiger Umhüllung versehen worden sind.

Eishüllen bilden sich gern um den Stängel oder um den verblühten Fruchtstand. Die Hüllen wirken wie ein Schutz. Daneben entstehen Eiszapfen. Der Formenreichtum ist vielfältig, es mögen zylindrische, röhrenartige Gebilde um Stangen sein, aber auch Kugeln an Stellen, an denen im Sommer Blüten gesessen haben. Knospen, die sich an Sträuchern bereits gebildet hatten, lassen rötliche Farbspuren erkennen.

Weniger kompakte aus dem Herbst zurückgebliebene Fruchtstände wie etwa bei Hopfen bringen keine zusätzliche Farbe ins Spiel, aber gegliederte geometrische Formen. Nicht immer bleibt die Eishülle vollständig erhalten, auch wenn der Frost über einen längeren Zeitraum andauert, ohne von Temperaturen über dem Gefrierpunkt unterbrochen zu werden. Es hängt vom Mikroklima, von der Lage ab, ob dennoch Tau-Effekte eintreten. Die Unterschiede in der Beständigkeit zu beobachten ist lehrreich, macht neugierig und öffnet den Erfahrungshorizont für diese kleinräumigen Erscheinungen.

Eine wichtige Rolle spielt es auch, ob während eines Zeitraums die Sonne scheint - auch wenn die Temperaturen deutlich unter Null liegen -, und wie sich die Luftfeuchtigkeit entwickelt. Aber auch wenn die Temperaturen bei Tag und Nacht nahezu konstant z.B. bei etwa -10 Grad liegen und die Sonne sich nicht nicht gezeigt hat, wird man bei einem Vergleich von zwei im 24 Stunden-Abstand aufgenommenen Fotos deutlich sichtbare Veränderungen in der Eishülle feststellen.

Eis-Bilder können durch markante Farben wirken, wenn etwa rote Beeren einbezogen werden, die sich im Winter an einigen Bäumen und Sträuchern finden lassen oder Gelbtöne von Flechten, grün gebliebene Blätter - die Natur hält auch im Winter einige Farbtupfer bereit.

Grundsätzlich jedoch ist im Winter ist das Farbspektrum in der Natur eher gedämpft, bräunliche Töne, die bereits der Herbst gebracht hat, überwiegen in der Vegetation. Manche Bilder wirken dadurch fast monochrom. Sie leben von der feinen Abstufung der Helligkeitsstufen.

Der eigene Garten hält viele unterschiedliche Motive bereit.
.